31. Deutsche Angustage in Sachsen-Anhalt

Alle Jahre wieder treffen sich die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Angus-Halter e.V. am letzten Wochenende im Juni zu ihrer jährlichen Zusammenkunft in einem anderen Bundesland. 2016 war Sachsen-Anhalt das Ziel.
Am Freitag, dem 24.06. kamen über 100 Mitglieder und Gäste nach Bismark in die Altmark. Leider mussten einige Kollegen ihre Teilnahme kurzfristig absagen, da der bisherige Witterungsverlauf im Mai und Juni die Silage- und vor allem die Heuernte doch erheblich verzögert hatte und noch etliche Hektar zu bergen waren.

Auftakt bei Familie Bethge in Poritz
Bei Temperaturen über 30 Grad am bisher wärmsten Tag des Jahres stellte als erstes die Familie Bethge aus Bismark, OT Poritz, ihre Zuchtherde vor. In bewährter Manier führten die Enkel Otto Wilhelm und Arndt Oke Steffens auf einer hofnahen Weide ausgewählte Tiere am Halfter vor, die vom Betriebsleiter Joachim Bethge im Einzelnen besprochen wurden. Die engagierten Jungzüchter haben bereits auf Landesebene und zweimal auf Bundesebene als Sieger ihre Wettbewerbe gewonnen.
Der Betrieb Bethge bewirtschaftet 53 ha Acker und 63 ha Grünland im Nebenerwerb und hält 73 Angusrinder. Im Einsatz sind zwei rote Herdenbullen: der 4,5-jährige Eik-Sohn Red Gonzo und der selbstgezogene Ernie-Sohn Erich. Die Zuchttiere werden größtenteils direkt ab Hof und über Auktionen verkauft, männliche Absetzer gehen nach Niedersachsen zum Ausmästen und Schlachttiere über den Bioland-Markt nach Berlin.
Nach dem gemütlichen Kaffeetrinken auf dem Hof der Familie Bethge ging es weiter nach Magdeburg, wo am Abend die Mitgliederversammlung und ein rustikaler Grillabend den Tag beendeten.

Mitgliederversammlung des BDAH
Die Mitgliederversammlung wurde durch den Vorsitzenden Dietz Kagelmann eröffnet. Im Anschluss stellte der RinderAllianz-Geschäftsführer Dr. Matthias Löber in einem Grußwort das Unternehmen RinderAllianz vor und gab einen kurzen Überblick zur Rinderzucht im gastgebenden Bundesland. Mit 777 Herdbuchkühen stellen die Angus die zweitstärkste Fleischrindrasse in Sachsen-Anhalt!
Die Teilnehmer der Mitgliederversammlung nahmen den Rechenschaftsbericht des Vorstandes und den Geschäftsbericht entgegen, bestätigten die Beitragsordnung und den Haushaltsplan 2016 und entlasteten nach dem Bericht der Rechnungsprüfer den Vorstand. Bei den anstehenden Wahlen wurden der 1. Vorsitzende Dietz Kagelmann und die Vorstandsmitglieder Dr. Benjamin Junck und Manfred Winhart einstimmig wiedergewählt.

   
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Kühe oder Kultur am Samstag
Für den Samstag war ein geteiltes Programm vorgesehen. Ein Teil der Teilnehmer begab sich „Auf Luthers Spuren“ nach Wittenberg, der größte Teil der Gruppe startete zur Besichtigung der Mutterkuhhaltung Schopsdorf GmbH und der Agrargenossenschaft Schopsdorf e.G.
Die beiden Betriebe bewirtschaften zusammen 246 ha Grünland und 496 ha Acker und halten 400 Mutterkühe (davon 167 Angus), daneben werden 200 Bullen und 165 Färsen gemästet. Als Nachzucht für die Mutterkuhherden werden 50 Färsen und zusätzlich noch 200 HF-Färsen aufgezogen. Mit den Zuchtherden wird ganzjährige Weidehaltung praktiziert, die Abkalbungen finden sowohl im Frühjahr als auch im Herbst statt. Im Einsatz sind 7 Deckbullen. Die Angusbullen und -färsen werden über Markenfleischprogramme und die Zuchttiere ab Hof verkauft, dieses Jahr unter anderem in den Export nach Litauen oder Tschechien. Der Betriebsleiter Uwe Menge stellte den Betrieb detailliert vor und ließ keine Frage unbeantwortet.

Am Nachmittag besuchten wir den Betrieb von Günther Reichert in Dessau-Roßlau, OT Natho. Der vom Nebenerwerb zum Haupterwerb entwickelte Betrieb bewirtschaftet 161 ha, davon 39 ha Grünland. Es werden aktuell 29 Mutterkühe, 3 Färsen, 10 Kälber und der selbstgezogene AA-Deckbulle Toronto (Vater: EU-Tiger) gehalten. Der Betrieb setzt sehr viele KB-Bullen ein, im letzten Jahr z.B. die Bullen Boy Friend, Code Red, Damo, Brave, Newton und Grand Slam. Beste Erfolge wurden vor allem mit den Bullen Boy Friend (beste Tageszunahmen) und Brave (sehr typvolle Nachkommen) erzielt. Die Hauptabkalbesaison liegt im September und Oktober, weibliche Jungrinder und auch Bullen werden über die RinderAllianz vor allem in die baltischen Staaten verkauft. Die männlichen Absetzer werden überwiegend in andere Betriebe zur Mast abgegeben.
Nach der Betriebsvorstellung und der Herdenbesichtigung auf der Weide wurde die gemeinsame Besichtigungstour bei Kaffee und Kuchen abgeschlossen.

Weiteres Angus-Besichtigungsangebot am Sonntag
Am Sonntag war für alle Heimfahrenden noch die Möglichkeit gegeben, je nach Reiserichtung einen oder mehrere Betriebe zu besuchen. Zur Auswahl standen:
- das Gut Müggenbusch von Hark Arfsten in Havelberg (Landkreis Stendal) – 50 Angus-HB-Kühe,
- der Betrieb von Mario Seidenbusch in Wetterzeube (Burgenlandkreis) – 26 Angus-HB-Kühe,
- der Betrieb von Steffen und Bernhard Stickel in Allstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) – 18 Angus-HB-Kühe.
Auch von diesen Angeboten wurde reger Gebrauch gemacht.

Allen gastgebenden Zuchtbetrieben sowie auch den Kollegen von der RinderAllianz in Sachsen-Anhalt ein herzliches Dankeschön für die engagierte Vorbereitung und die überaus nette Gastfreundschaft! Am Ende dieser sehr schönen und informativen Tage dürfte die Anguszucht in Sachsen-Anhalt in den Köpfen vieler Anguszüchter ein deutliches Stück an Bekanntheit und Wertschätzung gewonnen haben.

Das nächste Treffen wurde bereits angekündigt: die 32. Deutschen Angustage 2017 finden in Schleswig-Holstein statt. Um eine Überschneidung mit der Kieler Woche zu vermeiden, wird der Termin um eine Woche vorverlegt – auf den 16. bis 18. Juni 2017.

(Dietz Kagelmann)