Reisebericht über die Züchterreise des BDAH e. V. zu Angusbetrieben in Österreich

Wie bereits im vergangenen Jahr begann unsere diesjährige Züchterreise am Sonntag, dem 11. September um 9.00 Uhr auf dem Gelände des RBB in Groß Kreutz, wo die erste Gruppe der Mitreisenden ihre PKW abstellen konnten. Als Zwischenziel wurde unser Mitgliedsbetrieb von Michael Greim in Marktschorgast nördlich von Bayreuth angefahren um die Mitreisenden aus West- und Süddeutschland mitzunehmen. Am Abend erreichten wir Passau, wo vor dem Abendessen noch ein kleiner Stadtrundgang möglich war.
Am folgenden Tag kamen wir in Oberösterreich an und besuchten zunächst den seit 1790 im Familienbesitz befindlichen Stöcklhof von Fritz und Gerti Breuer. Hier konnten wir die Nachzucht von „Williams“, dem diesjährigen Siegerbullen der Altbullen bei der Bundesfleischrinderschau in Maishofen besichtigen. Der Bulle selbst war gerade auf der Besamungsstation. Familie Breuer bewirtschaftet 65 ha und hält zurzeit 38 Kühe mit Nachzucht. Tiere, die nicht in die Zucht gehen, werden geschlachtet und über Selbstvermarktung verkauft.

Nachdem wir uns beim gemütlichen Kaffeetrinken auch noch mit Verbandsvertretern austauschen konnten, ging es weiter zum Betrieb unseres Mitgliedes Josef Stingeder bei Bad Zell, der ebenfalls mit seiner sehr typvollen, korrekten Anguskuh M3 Alia und ihrem hervorragend entwickelten Bullenkalb einen Bundessieg errungen hatte. Der Betrieb war erst vor wenigen Jahren übernommen worden und ist inzwischen mit großem Engagement, einem Stallneubau und erheblichen Umbauten des alten Vierseithofes zum Haupterwerb für den Sohn Peter entwickelt worden. Derzeit werden auf 60 ha 40 Anguskühe und 10 weitere Kühe als ET-Träger gehalten. Nach einer umfangreichen Herden- und Betriebsbesichtigung ließen wir den Tag ausklingen und nahmen uns Zeit für Gespräche und das Abendessen im Innenhof, wobei wir noch mit Livemusik überrascht wurden.
Herzlich bedanken möchten wir uns bei Josef Stingeder, der die organisatorischen Vorbereitungen vor Ort hervorragend gemanagt und uns bis zum Schluss begleitet hat.

Die nächste Etappe führte uns vorbei an Kürbis- und Sojafeldern nach Niederösterreich, bis an die tschechische Grenze in das nördliche Weinviertel auf den Mitterhof, der BOAFARM, von Daniela Wintereder und Fred Zehetner. Dieser außergewöhnliche Betrieb bewirtschaftet 309 ha, die arrondiert rund ums Haus liegen. Bei nur 400 bis 450 mm Jahresniederschlag werden die Flächen ausschließlich zur Beweidung und Winterfuttergewinnung genutzt. Es werden im Jahresdurchschnitt 650 Rinder der Rassen Aberdeen-Angus und Galloway gehalten, dazu kommen noch ca. 60 Schweine (Schwäbisch hällisches Landschwein x Duroc). Neben den Betriebsleitern werden noch zwei Mitarbeiter beschäftigt. Die Erntearbeiten und das Miststreuen werden extern erledigt.
Eine Besonderheit stellt der seit 2012 vorhandene betriebseigene EU-Schlachthof dar. Hier kann der gelernte Metzgermeister Fred seine Passion ausleben und die Gewinnung und Präsentation außergewöhnlicher Fleischqualitäten demonstrieren. Sämtliche Tiere, die nicht in die Zucht gehen, werden hier für die Selbstvermarktung verarbeitet.
Mit konsequenter, strenger Selektion und tiergerechtem Herdenmanagement wurde eine sehr leistungsstarke Herde aufgebaut, der im „Kuhhotel“ auch im Winter 40 qm Lauffläche mit 7,7 qm Dach pro Tier zur Verfügung stehen. Die Umsetzung der Betriebsphilosophie in artgerechter Haltung und besonders auch das würdige Schlachten wurden 2012 mit der Verleihung des Bundestierschutzpreises belohnt.
Voller interessanter Eindrücke und Informationen fuhren wir weiter in Richtung Wien, mit einem Zwischenstopp im Weingut Kohl, wo wir ein schmackhaftes Abendessen inklusive Besichtigung des Gutes bekamen.
Der nächste Tag brachte uns in die Hauptstadt Wien. An der Hofburg begannen wir unsere kurze Stadtführung, den Abschluss machte am frühen Abend ein Besuch im prachtvollen Barockschloss Schönbrunn. Ein Tag in Wien, zumal bei 30° Tagestemperatur konnte natürlich nur das Interesse wecken, einmal wieder zu kommen.

     

Als Nächstes stand der Neusiedler See im Burgenland auf dem Programm. Mit zwei Kutschwagen und natürlich einem Glaserl Wein wurden wir inmitten des Nationalparks empfangen und entlang der östlichen Seeseite nach Illmitz auf den Vinzenzhof zum Mittagessen kutschiert. Leider mussten wir erfahren, dass der Betrieb dabei war, seine Anguszucht aufzugeben, da die Nationalparkverwaltung die Weideflächen gekündigt hatte.
Nachmittags fuhren wir mit dem Schiff über den See und setzten unsere Reise in Richtung Klagenfurt nach Kärnten fort.
Der letzte Besichtigungstag führte uns zunächst auf den Petekhof von Andreas Privasnik. Der 133 ha Betrieb wird vom Betriebsleiterehepaar und dem Sohn bewirtschaftet. Es werden 220 Rinder, davon 70 Mutterkühe gehalten. Daneben sind noch 75 Schafe vorhanden.
Mit Aufgabe der Milchproduktion wurde seit 1992 zum Aufbau einer Mutterkuhherde Angusgenetik eingesetzt. Über mehrere Jahre wurde die Herde durch Zukäufe in Deutschland verstärkt und 2011 wurde mit dem Ankauf von Rawburn Rosala die Zuchtrichtung Aberdeen-Angus forciert und geprägt. Die konsequente Zuchtarbeit wurde durch etliche Siege und Reservesiege auf Bundesebene belohnt.
Neben der Zucht ist die Direktvermarktung von Fleisch über den eigenen Hofladen eine wichtige Einnahmequelle. Die Tiere werden direkt am Hof geschlachtet und nach mindestens zweiwöchiger Lagerung von Familienmitgliedern zerlegt und portioniert. Die gute Qualität konnten wir beim abschließenden Mittagessen selbst genießen.

Zum Abschluss der Besichtigungstour besuchten wir Christine und Oliver Behringer in Winklern. Hier konnten wir einen Eindruck davon gewinnen, was in der Anguszucht nach oben möglich ist. Die Philosophie des Betriebsleiters geht dahin, deutlich zu machen, das mit Angus die gleichen (oder sogar bessere) Zunahmen und Endgewichte zu erreichen sind wie mit den bekannten großrahmigen Fleischrinderrassen. Die schwersten Kühe bringen über 1.100 kg auf die Waage und der selbstgezogene künftige Herdenbulle „Carinthia Dark Devil R628“ wog mit genau 200 Tagen unglaubliche 453 kg (TZ 2.035 g). Eigesetzt wird international anerkannte und geprüfte Aberdeen Angus Genetik, hauptsächlich aus Schottland, den USA, Kanada und Neuseeland. Unter dem Herdennahmen „Carinthia“ ist der Betrieb Mitglied der britischen Aberdeen Angus Cattle Society.
Nach einer letzten Übernachtung in Kitzbühel verließen wir Österreich in Richtung Bayreuth zum Betrieb von Andrea und Michael Greim, wo wir wieder herzlich empfangen und mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Natürlich ließen es sich die Anguszüchter nicht nehmen, auch hier noch eine Betriebsbesichtigung einzuschieben.
Unser herzlicher Dank gilt allen Gastbetrieben, unserer Reiseleiterin Anna und dem Busfahrer, dem wir wieder ein paar schwierige Aufgaben gestellt haben.
Die besichtigten Betriebe haben uns einen Eindruck über den dortigen Stand der Anguszucht vermittelt, den man mit Respekt zur Kenntnis nehmen muss. Ich kann nur hoffen, dass wir weiterhin eine so gute Nachbarschaft pflegen können und lade gerne zu einem Gegenbesuch in Deutschland ein.

Text: Dietz Kagelmann, Bilder: Rainer Kleenlof