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Reise nach Rumänien zum Aberdeen Angus Forum

European Aberdeen Angus Forum Rumänien 2026

Wie alle zwei Jahre fand auch dieses Jahr das Europäische Angus Forum statt. Zuletzt war 2024 Deutschland der Gastgeber des EAAS und konnte mit einer beeindruckenden Reise durch die Republik die deutsche Anguszucht präsentieren, gab am Ende der Reise aber auch den Vorsitz weiter an Marcel Olteanu, dem rumänischen Präsidenten.

Dieser setzte auch alles daran das EAAS weiterhin bekannt zu machen und dafür zu werben, was ihm auch gelang. Mehr als 200 Teilnehmer aus Europa, aber auch aus Australien, Argentinien, USA, Kasachstan, Brasilien und sogar aus Hawaii sind der Einladung gefolgt und haben unsere rumänischen Freunde besucht. Es war uns natürlich eine Herzensangelegenheit mit einer großen Delegation teilzunehmen, was uns auch gelang, mehr als 40 deutsche Züchter ließen es sich nicht nehmen Rumänien zu besuchen. Die Deutsch – Rumänische Freundschaft besteht schon lange, bereits in den frühen 2000er besuchten deutsche Züchter Rumänien und umgekehrt, daraus entstand eine Freundschaft und ein erfolgreicher Handel, mehr als 7000 deutsche Angus Tiere wurden bis jetzt nach Rumänien verkauft.

So traten am 10.Mai diesen Jahres eine große Gruppe von Frankfurt aus, aber auch von anderen deutschen Flughäfen, die Reise an, die vom Bundesverband organisiert wurde. Nach einigen Turbulenzen erreichten wir über Wien dann doch Sibiu (Hermannstadt) von wo wir mit Busen abgeholt und nach Cluj (Klausenburg) gebracht wurden. Am ersten Abend gab es eine herzliche Begrüßung durch den rumänischen Verband und ein schönes Welcome-Dinner. Es war für die meisten ein Wiedersehen mit Freunden aus der ganzen Welt und es wurden die Neuigkeiten ausgetauscht, jedoch waren auch viele neue Gesichter mit dabei, die herzlich in die Angus-Familie aufgenommen wurden.

Am ersten Tag präsentierte sich die weit über die Grenzen bekannte Angus-House Farm um Bogadan Veres, er und seine Frau Adriana ergänzten ihre Zucht, die auf der Grundlage von Bernhard Delle`s Genetik besteht, regelmäßig mit Zukäufen von Spitzentieren aus der Ganzen Welt. So gehört auch der vor kurzem von William McLaren erworbene Netherton Eclipse der für 77.500,- € den Besitzer wechselte, zur Angus House Farm. Nach einem kleinen Empfang an einem 25 m langen Buffet ging es zur Weide, wo alle Zuchtbullen einzeln abgezäunt bestaunt werden konnten, auch Gruppen mit Rindern, Kühen mit Kälbern und Jungbullen konnten besichtigt werden – alle in einer hohen Qualität.

Am Nachmittag ging es einige Kilometer weiter zu einem neuen Schlachthof der hauptsächlich Angus und Angus-Kreuzungen schlachtet. Nach der Begrüßung durch die Betriebsleiterin und Samuel Widmer gab es die Möglichkeit den Schlachthof zu besichtigen. Hier hatten die Mitarbeiter des Betriebes eindrucksvoll ca. 25 verschiedene Cuts ausgestellt und Fragen dazu beantwortet.

Im Anschluss gab es im Aussenbereich einen deftigen Eintopf und allerlei Gegrilltes vom Angusrind. Am Abend waren wir zu Gast in Sovata, einem Kurort in der Region Siebenbürgen, wo wir nach einem üppigen Abendessen auch 2 Nächte übernachteten. Für den nächsten Morgen hatten sich die Rumänen etwas besonderes einfallen lassen, in ihrer recht neuen Besamungsstation hatten sie eine Landwirtschaftliche Ausstellung vorbereitet und eine tolle

Schau organisiert. Bei der Schau wurden Rinder, Kühe und Bullen durch die drei Richter PJ Budler aus den USA, William McLaren aus Schottland und Ricardo Canterelli aus Argentinien gerichtet. Alle drei hatten ihren Job richtig verstanden und haben die Tiere, mit meist deutscher Abstammung, richtig plaziert. So war es nicht verwunderlich, dass auch die Siegerkuh mit Kalb ursprünglich aus dem Betrieb von Thomas Hilgert aus Brandenburg kam. Im Anschluss wurden etliche Tiere in einer Auktion zu Bestpreisen verkauft, nicht selten wurde die 10 Tsd. Euro-Marke geknackt.

Danach brachten uns die 5 Busse zur Black Angus Farm von Peter Nagy wo ein Ochs am Spieß und viele weitere Leckereien auf uns warteten. Bild 4 Die Familie Nagy übernahm 2016 den Charolais-Betrieb und tauschte alle Tiere in schwarz um und bewirtschaftet nun 145 ha Dauergrünland im Bereich des ehem. Vulkangebiets der Gurghiu Berge. Im hofeigenen Schlachthaus werden alle Tiere zerlegt und direkt an die Kunden vermarktet. Am folgenden Morgen stand der Besuch von Karpaten Meat auf dem Programm. Wohl einer der bekanntesten und größten Angus-Zuchtbetriebe in Europa, hier werden auf ca. 10.000 ha ungefähr 9.000 Tiere gehalten, um die sich 150 Mitarbeiter täglich kümmern. In mitten der großzügigen Weiden wurden wir von Samuel Widmer und Bernhard Delle herzlich begrüßt, es war der beste Platz die Weitläufigkeit und Schönheit des Landes zu präsentieren.

Im Anschluss ging es zur Betriebsstätte, wo schon Schlepper mit Futterwagen auf uns warteten um uns die hofnahen Weiden mit den verschiedenen Tiergruppen zu zeigen. Zurück auf dem Betrieb gab es saftige Angus-Burger und ein hervorragendes Bier. Bernhard Delle präsentierte in den angrenzenden Ställen seine Bullen und die Donau-Moos Genetik, unter anderem auch den Bullen DM Kansas und stand Rede und Antwort für alle Fragen. Es war beachtlich zu sehen was er dort aufgebaut hat. Kurz vor der Weiterfahrt im Rahmen der Verabschiedung wurde eine Bullenstatue enthüllt, die daran erinnern soll, dass 2012 an diesem Ort die Romania-Aberdeen Angus Association gegründet wurde. Bild 6 Am Abend wurde in Sibiu in einem typischen Restaurant, mit rumänischen Tänzen und Speisen gefeiert. Der nächste Tag begann mit der Besichtigung einer großen Milchvieh-Farm, die auch Wasserbüffel melkt und Angus mästet. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen von Dracula, da besuchten wir natürlich die Stadt und das Schloss Bran, zu deutsch Törzburg, eine mittelalterliche Stadt aus dem 14. Jahrhundert, weltbekannt durch Fürst Vlad III. auch der Pfähler genannt, der aber nie dort wohnte. Beeindruckend und gut erhalten präsentierte sich das Schloss in dem sich natürlich alles um Vlad

Dracula dreht.

Von dort aus ging es in die Berge zur Domain Vaduri, einem Restaurant in Privatbesitz der Familie Vrinceanu. Die Familie betreibt hier eine Anguszucht mit circa 40 Kühen und eine Eventgastronomie sowie Hotelzimmer und Ferienwohnungen. Bei feinem gegrillten Angus-Fleisch, Bier, Musik und Tanz sowie einer tollen Aussicht konnte man den Abend ausklingen lassen. Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Europäischen Forums. Beginnend mit Fachvorträgen im Parlamentspalast in Bukarest, der 1984 von Ceausescu eingeweiht wurde. Einige Firmen wie Vytelle, Pioneer DSM Firmenich referierten zu modernen Themen, im Anschluss stellte Colby Funell von Abri, den Stand der Dinge im europäischen Breedplan vor und konnte schon eine bereits beachtlichen Zahl an Daten aus Europa vorweisen. Nach einer Präsentation von Angus Argentina stellte Sören Vester aus Dänemark das Programm für das kommende Forum vom 25. bis 30. Mai 2028 in Dänemark vor. - Wer Interesse hat kann Informationen über den Angus-Bundesverband erhaltenAm Nachmittag tagten dann die Delegierten des EAAS, hauptsächlich ging es um das gemeinsame Projekt Breedplan, aber auch sonst wurden viele wichtige Themen besprochen, unter anderem die Gründung eines ständigen Sitzes und einer Association des EAAS in Portugal bei unserem Sekretär Paulo Costa, dann ging es um die Entlohung von Herrn Costa, der bis dato viele Stunden unentgeltlich geleistet hat, zwei neue Mitglieder wurden einstimmig aufgenommen – Österreich und Belgien und die Gründung eines Jugendprogramms europaweit wurde ins Leben gerufen, hier geht es hauptsächlich darum Jugendliche aus ganz Europa zusammen zu bringen und den Austausch und die Verbindungen zu stärken sowie interessante Workshops anzubieten. Auch viele weitere Dinge wie das gemeinschaftliche scannen der Marmorierung sowie die Bündelung im Bereich genomische Untersuchung bzw. Abstammungs- und Erbfehlerbestimmung wurden besprochen. Am Abend stand dann natürlich das Gala-Dinner auf dem Programm zu dem alle herzlich eingeladen waren, während dieser Veranstaltung überreichte Richard Brinette, Herrn Olteanu, Präsident des rumänischen Verbandes, eine Skulptur als Zeichen und Dank für 20 Jahre Freundschaft und mehr als 7.000 importierte Tiere aus Deutschland.

Neben allen fachlichen Themen blieb vor allem die starke Gemeinschaft innerhalb der europäischen Angus-Familie in Erinnerung. Überall entstanden neue Kontakte, interessante Gespräche und Freundschaften. Auch kulturell hinterließ Rumänien mit seinen historischen Städten, tollen Landschaften, aber vor allem wegen seiner außergewöhnlichen Gastfreundschaft einen bleibenden Eindruck. Viele kehrten mit neuen Kontakten, Ideen und Motivation nach Hause zurück. Die Zukunft der europäischen Angus-Zucht lebt von der Leidenschaft der Menschen die für die Angus stehen.

Text: Richard Brinette 
Bilder: Richard Brinette